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Berufsorientierung bedeutet schon lange nicht mehr, dass der Schüler/die Schülerin nur lernt, Bewerbungen zu schreiben, und für zwei oder drei Wochen ein Praktikum in einem Betrieb seiner/ihrer Wahl absolviert. BO ist vielmehr heute ein sich über die gesamte Schullaufbahn erstreckender Lernprozess, in dem Schüler Wissen, Fähigkeiten und (Selbst-)Einschätzungen hinsichtlich der Studien- und Berufswahl gewinnen, um nach dem Schulabschluss einen ihren Interessen und Fähigkeiten gerecht werdenden Ausbildungs- oder Studienplatz zu finden.
Berufsorientierung ist am Gymnasium kein eigenes Schulfach und wird daher auch nicht mit irgendeiner Abschlussnote versehen. Berufsorientierung ist bei uns fächerübergreifend angelegt, Erkenntnisse und Qualifikationen greifen ineinander und bauen über die gesamte Schulzeit aufeinander auf. (s. Schaubild gültig für G9)

Das Hauptanliegen von Schule - Wissen zu vermitteln, unterschiedliche Herangehensweisen an Themen und Problemstellungen einzuüben und soziales Handeln, Teamgeist und Kooperationsfähigkeit zu fördern - ist zugleich auch eine Basis für den Einstieg in Beruf und Studium. Dies geschieht nicht nur im Fachunterricht, sondern auch in fächerübergreifenden Projekten, in Unterrichtsreihen zur ökonomischen Bildung in den Fächern Politik und Geschichte in den Klassen 6 -10 sowie in den Wirtschaftskursen in den Klassen 9/10, zu Bewerbung und Lebenslauf sowohl im Fach Deutsch in der Klasse 9 wie auch in den Fächern Englisch und Französisch in den Klassen 9/10.
Dennoch würde all dies zu kurz greifen, wenn nicht der Schüler selbst Gelegenheit, Anleitung und Unterstützung noch während der Schulzeit erhielte, sich Gedanken über seine berufliche Zukunft zu machen. Es sollte eben gerade nicht mehr so sein, dass ein Schüler sich erst nach dem Abschluss überlegt: „Was kann ich denn beruflich damit anfangen?“ Dies gibt die wirtschaftliche Lage in Deutschland und anderswo nicht (mehr) her. Ohne einer frühen Ausrichtung von Schule auf die Belange der Wirtschaft hier das Wort reden zu wollen, zum Erwachsen-Werden gehört auch ein intensives und zielgerichtetes Nachdenken über die eigene Zukunft, über eigene Interessen und Fähigkeiten.
Ein erster Schritt ist hier sicherlich das Aufbrechen von Berufsvorstellungen, die auch heute noch in einem nicht zu unterschätzenden Maße geschlechtsabhängig sind. Eine Möglichkeit, überkommene Rollenbilder sich spielerisch bewusst zu machen, bietet in Klasse 5 der sogenannte „Haushaltspass“, ein dreitägiges Projekt, in dem sich Schüler außerhalb der Schule an „typisch männlichen und weiblichen Arbeiten“, z. B. dem Umgang mit unterschiedlichen Werkzeugen einerseits und Nadel und Faden andererseits, erfahren und „beweisen“ können. Gestützt wird dieser Erkenntnisprozess durch entsprechende Unterrichtsreihen in den Fächern Deutsch und Politik.

Weiterhin versuchen wir diesen Orientierungsprozess zu fördern, indem wir den Schülern zwei in den Klassen 9 und 11 unterschiedlich ausgerichtete Kompetenzchecks anbieten, die in ihren wesentlichen Aspekten Teil von Einstellungstests sind. Dem ersten Kompetenzcheck in Klasse 9 schließt sich das zweiwöchige Schülerbetriebspraktikum in Klasse 10 an. Hier sollen die Schüler erste Erfahrungen mit Arbeitsformen, Anforderungen und Leben in der Berufswelt machen und diese Erfahrungen in einem Praktikumsbericht dokumentieren und reflektieren. In diesen Bereich gehört auch der Besuch des Berufsinformationszentrums der Agentur für Arbeit bzw. der Besuch des für uns zuständigen Ansprechpartners der Agentur für Arbeit, Herrn Matzkat, in unserer Schule.
Die Bandbreite der gewählten Berufsfelder an unserer Schule ist groß, in einem Umkreis von ca. 25 km finden unsere Schüler Praktikumsstellen in Berufen, die ihren Interessen entsprechen. Hier eine kleine Auswahl aus dem Jahr 2008:
In den letzten Jahren zunehmend haben viele unserer Schüler Praktika im Ausland gewählt. Durch ein solches Praktikum erweitert der Schüler nicht nur seine Kenntnisse in der/den Fremdsprache(n), sondern er gewinnt auch Einblicke in die Arbeits- und Lebensgewohnheiten bzw. -anforderungen im Ausland und damit auch eine erste Entscheidungsgrundlage hinsichtlich einer Berufswahl im Zeichen von Globalisierung und europäischem Binnenmarkt.
Auch im Hinblick auf die Wahl der Leistungskurse, die sinnvollerweise nicht nur unter den Gesichtspunkten „Was kann ich und wo bekomme ich die meisten Punkte?“, sondern auch unter dem Aspekt einer späteren Berufswahl erfolgen sollte, findet in der Jahrgangsstufe 11 ein zweiter Kompetenzcheck statt, der dem Alter und den Qualifikationen der Oberstufenschüler angepasst ist. Zugleich bieten wir u.a. in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen das Duale Orientierungspraktikum an, bei dem interessierte Schüler in 11.2 für jeweils eine Woche an der Universität in einem Studienfach ihrer Wahl und in einem dem Studienfach korrespondierendem Berufsfeld hospitieren.
Innerhalb der Projektwoche haben alle Schüler der Jahrgangsstufe 12 noch einmal Gelegenheit, sich mit den grundlegenden Fragen zu Interessen, Fähigkeiten und Berufszielen auseinanderzusetzen. Das einwöchige Projekt „Lebensplanung“ gibt Anstöße und Hilfen auf die Fragen: Studieren - Wie geht das? (in Zusammenarbeit mit der Uni Duisburg-Essen) / Welcher Job passt zu mir? / Wie präsentiere ich mich selbst? (in Zusammenarbeit mit Schule / Debeka / BEK) / Was möchte ich werden? (in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit).
Im Schuljahr 2009/10 neu eingerichtet wird ein Berufsorientierungsbüro. Noch innerhalb der Schule selbst, also auf dem kürzesten Wege, kann der Schüler sich alle für ihn relevanten Informationen zu Beruf und Studium verschaffen, entweder über die dort ausgelegten Informationsschriften der Agentur für Arbeit oder über die betreffenden Adressen im Internet. Darüber hinaus ist es ein Ort der Beratung und des Austausches. So können die Schüler vom Gedankenaustausch mit externen Partnern, die ihr Wissen über Studien- und Ausbildungssituation bzw. über die Arbeitswelt ihres jeweiligen Berufsfeldes in die Schule hineintragen, profitieren. Zugleich bietet das Berufsinformationsbüro die Möglichkeit, unter der Regie von Fachleuten Einstellungsgespräche zu simulieren und auszuwerten.
H. Gorzawski, H.-W. Nierhaus und R. Schütz (Studien- und Berufswahlkoordinatoren)
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