Die Geschichte unserer Schule
(Auszug aus der Festschrift zur 150-Jahr-Feier der Otto-Pankok-Schule)
1835
Mülheim, 1808 durch ein Dekret des Großherzogs von Berg zur selbstständigen Kommune erklärt, erhält eine private Höhere Bürgerschule, die nach der Elementarschule von 38 Schülern besucht wird. Sie werden in 32 Wochenstunden in den Fächern Religion, Geschichte, Erdkunde, Mathematik, Naturwissenschaft, Deutsch, Französisch, Latein (fakultativ) und Englisch (fakultativ) unterrichtet.
Dieser zweiklassigen Jungenschule, untergebracht in einem gemieteten Privathaus Nothweg 36 (heute Friedrich-Ebert-Straße), schließt sich eine einklassige private Höhere Töchterschule (erster Anfang der späteren Luisenschule) mit einem Unterrichtsumfang von 19 Wochenstunden an.

Stadtverwaltung und Gemeinderat beschließen – an den praktischen Bedürfnissen von Handel und Gewerbe orientiert - die Umorganisation der Höheren Bürgerschule in eine Städtische Realschule I. Ordnung mit 4 Klassen (84 Schüler). Eine Höhere Töchterschule mit 2 Klassen (45 Schülerinnen) wird der Jungenschule angeschlossen. Am 7. Juli tritt diese neue Schule ins Leben; sie ist der Provinzialregierung in Düsseldorf unterstellt. Die erste Reifeprüfung findet an dieser Schule im August 1856 statt.
Das Anwachsen der Schule auf 6 Klassen mit achtjährigem Kurs bringt der Schule die staatliche Anerkennung als vollständige Realschule. Ernennung von Rektor Gallenkamp zum Direktor und der 4 Lehrer zu Oberlehrern. Ein neues, zunächst zweigeschossiges Schulhaus entsteht an der Schulstraße.
Bis zu ihrer Reform im Jahre 1882 wird die Städtische Realschule geleitet von den Direktoren Gallenkamp, Prof. Dr. Kern, Dr. Kruse, Gruhl, Deicke und Dr. O. Henke.
Eine deutliche Annäherung an das Gymnasium erfolgt in der Reorganisation der Realschule als Realgymnasium mit mehr Lateinunterricht, während die Gymnasien den Französischunterricht und die naturwissenschaftlichen Fächer verstärken. Zeugnisse mit den Notenstufen 1, 2, 3 (genügend), 4 (mangelhaft), 5 (ungenügend) gibt es - bis 1953 - dreimal im Jahr: Herbst, Weihnachten, Ostern. Das Abitur am Realgymnasium muss zum Universitätsbesuch in alter Geschichte, Latein und Griechisch erweitert werden (Nachprüfung für Gymnasialreife).
Aus dem Staatlichen Gymnasium wird die Staatliche Langemarck-Schule.
Das Staatliche Gymnasium blickt auf seine 50-jährige Selbstständigkeit zurück.
1963
Sportliche Erfolge können am Staatlichen verzeichnet werden: Eine Riege von 80 Jungen des GTV turnt bei der Eröffnungsfeier zum Deutschen Turnfest in Essen. Die Hockeymannschaft erringt sowohl auf dem Feld als auch in der Halle die NRW-Schulmeisterschaft und startet eine Serie von Siegen in den nächsten Jahren.
1965
Die Sextaner-Aufnahmeprüfung entfällt, die Lernmittelfreiheit wird allmählich eingeführt.
Die Regelung, mit der Note Mangelhaft im Fach Deutsch das Abitur nicht bestehen zu können, wird aufgehoben.
1966
Nach zwei Kurzschuljahren (April bis November 1966; Dezember 1966 bis Juli 1967) wird der Schuljahresbeginn von Ostern auf den Sommer verlegt. Die neuen Klassenbezeichnungen von 5 bis 13 werden eingeführt.
1968
Das Staatliche bleibt von Schülerunruhen verschont. Kritische Geister melden sich sporadisch und vereinzelt zu Wort.
1969
Der Schüleranstieg Ende der 60-er Jahre (1969/70 z.B. 895 Schüler in 31 Klassen) führt zur Raumnot und zu Planungen eines Neubaus.
Am Staatlichen entsteht ein Basketball-Verein (BVM).
1970
An allen Schulen in Mülheim wird die Koedukation eingeführt.
Eine grundlegende Schulreform führt zu einer Neueinteilung der 13 Schuljahre in Primarstufe, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II. In diesem Zusammenhang wird die Reifeprüfung geändert. Die Reform der gymnasialen Oberstufe beginnt und soll 1975 an allen Gymnasien realisiert sein.
Mit Rücksicht auf die geplanten Neubaumaßnahmen soll am Staatlichen Gymnasium die vollständige Reform zum spätmöglichsten Zeitpunkt erfolgen. Zunächst wird die Reform nur in der Jahrgangsstufe 12 in Form eines hausinternen Kursangebotes umgesetzt. Ausgenommen vom Kursangebot sind die alten Sprachen.
Als späte Folge der „APO-Zeit“ finden eine offizielle Abschiedsfeier der Abiturienten in der Aula und ein Abiturball in diesem Jahr nicht statt. Die SMV löst sich selbst auf. Das Mitteilungsblatt der Schule
erscheint letztmals 1972.
1973
Erstmals beginnt eine Sexta am Staatlichen nicht nur mit Latein, sondern auch mit Englisch.
1974
Das Staatliche Gymnasium wird am 1.1.1974 städtisch und heißt – nach Beschluss des Rats der Stadt Mülheim – ab 1.8.1974 „Otto-Pankok-Schule“.

Am 18.7.1974 wird OStD Kurt Henke feierlich verabschiedet. Sein Nachfolger wird OStD Heinz Götzen, der am 24.10.1974 feierlich in sein Amt eingeführt wird und die Schule bis zu seiner Pensionierung im Juli 1987 leitet.
1975
Die festliche Namensübergabe der Otto-Pankok-Schule erfolgt am 15.1.1975 in der Aula. In diesem Zusammenhang schenken Hulda und Eva Pankok, Ehefrau und Tochter Otto Pankoks, der Schule ein Selbstbildnis des Künstlers aus dem Jahre 1958. Der Holzschnitt schmückt heute – für jeden Eintretenden sichtbar - den Eingangsbereich der Schule.
Im März erscheint die erste Ausgabe der „Blinklichter“, deren Titelblatt den Wandel vom Staatlichen zum OP verdeutlichten möchte. Bis heute erscheinen die „Blinklichter“ regelmäßig einmal im Jahr und dokumentieren Leben und Entwicklung an der Otto-Pankok-Schule.
Ab dem Schuljahr 1975/76 gilt – beginnend mit der Jahrgangsstufe 11 – auch an der Otto-Pankok-Schule die neue Organisationsform der Oberstufe (Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz zur Neugestaltung der Sekundarstufe II von 1972). Die besonderen Merkmale sind: Auflösung der Klassenverbände und Ersetzung durch Halbjahreskurse; Einteilung der grundsätzlich gleichwertigen Unterrichtsfächer in drei Aufgabenfelder; Belegung einer bestimmten Anzahl von Pflicht- und Wahlkursen; Unterscheidung von Leistungs- und Grundkursen; besondere Bedingungen bei der Zulassung zur Abiturprüfung und beim Bestehen der Abiturprüfung.
1976
Der Umzug in den Neubau Anfang des Jahres wird am 27.3.1976 mit einem Schulfest gefeiert.
Der Altbau wird im April endgültig abgerissen. Dort entsteht eine geräumige Dreifachsporthalle.
In der Aula des Altbaus findet – kurz vor ihrem Abriss – erstmals seit 1969 wieder ein Abiturientenball statt, in dessen Verlauf die Reifezeugnisse ausgehändigt werden.
Besondere Leistungen von OP-Schülern sind in diesem und in den folgenden Jahren in den Sportarten Fußball, Hockey, Rudern, Schwimmen, Tennis, Turnen und Volleyball zu verzeichnen.
1977
Die fertig gestellte neue Turnhalle kann im September der Stadt übergeben und anschließend von der Schule genutzt werden.
1980
Die Schulkonferenz beschließt die Einführung eines freien Samstags im Monat ab dem Schuljahr 1980/01. Der Beschluss wird 1981 auf zwei freie Samstage im Monat erweitert.
Die „Blinklichter“ erhalten ein neues Titelbild.
Mit 1543 Schülerinnen und Schülern erreicht die Schule ihre Höchstzahl und ist auf die Nutzung sämtlicher peripher Räumlichkeiten angewiesen, da sogar der Neubau wieder zu eng ist. 98 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten im Schuljahr 1981/82 an der Otto-Pankok-Schule.
Der Abiturient Andreas Quirrenbach, 1979 und 1980 bereits Bundessieger in Mathematik, gewinnt die Goldmedaille bei der Physik-Olympiade.
Der Öffentlichkeit wird die erste vom Förderverein gestiftete Computereinheit vorgestellt. Sie besteht aus APPLE II PLUS (48 k Byte), zwei Diskettenlaufwerken sowie Drucker und Monitor.
1982
Für alle Fächer der Sekundarstufe II gelten neue Richtlinien mit deutlich verstärktem fachwissenschaftlichen und propädeutischen Charakter. Die allgemeine Bildung und somit die Pflichtbindungen bis zum Abitur sind nicht mehr an die Fächer Deutsch, Fremdsprachen, Geschichte und Mathematik gebunden, sondern lediglich an die drei Aufgabenfelder Sprache, Gesellschaftswissenschaften und Mathematik/Naturwissenschaften.
300 Schülerinnen und Schüler beteiligen sich an der Aufführung des Theaterstücks „Atlantis – Vom Ende einer Welt“, das viermal im vollbesetzten Forum der Otto-Pankok-Schule aufgeführt wird. Schülertheater, erwachsen aus den Literaturkursen der Jahrgangsstufe 12 und aus der Literatur-AG, wird zum festen Kulturbestandteil an der Schule.
1987
Die Oberstufen-Kooperation der Mülheimer Gymnasien beginnt. In der Folgezeit besuchen Schülerinnen und Schüler Leistungskurse auch an anderen Gymnasien.
Am 4.7.1987 wird OStD Heinz Götzen feierlich im Forum verabschiedet, da er in den Ruhestand tritt.
StD Adolf Gebhardt übernimmt bis Februar 1988 kommissarisch die Leitung der Schule.
An der Otto-Pankok-Schule wird durch eine Initiative der Schülervertretung (SV) ein Tutorensystem eingeführt: Um Fünftklässler den neuen Schulanschnitt zu erleichtern, werden sie von Schülerinnen und Schülern aus der Jahrgangsstufe 11 betreut.
Zur Förderung des Skisports entsteht der Gymnasial-Ski-Verein Mülheim an der Ruhr 1987 e.V.
1988
Am 24.2.1988 wird OStD Dr. Karl-Heinz Werneburg als neuer Schulleiter eingeführt.
Im Forum findet am 8.11.1988 eine Gedenkfeier zur 50. Wiederkehr der sog. „Reichskristallnacht“ statt.
1993
Anlässlich des 100. Geburtstags von Otto Pankok veranstaltet die Schule am 5.6.1993 eine Gedenkfeier, an der neben Pankoks Tochter Eva auch der Schriftsteller Günter Grass teilnimmt. Grass studierte 1950 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Pankok Zeichnen. Im Forum trägt Grass seine 13 Sonette „Novemberland“ vor und diskutiert anschließend mit Schülerinnen und Schülern über Literatur. Bilder von Pankok und Grass werden in der Sporthalle ausgestellt
1994
Mit einer Schülerzahl um 900 entspricht die Schule der ursprünglich auch vorgesehenen Vierzügigkeit. Dem Kollegium gehören 69 Lehrerinnen und Lehrer an.
An einem Tag der offenen Tür steht zukünftigen Fünftklässlern und ihren Eltern die Schule zum Kennen lernen offen.
Die Kabarett-Gruppe OPtiker entsteht aus einem Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 und bereichert seitdem das Kulturprogramm der Schule ebenso wie der jährlich erscheinende OP-Kalender.
Überfällige Renovierungsarbeiten am nun schon 20 Jahre alten Neubau werden eigeninitiativ durchgeführt, da dem Schulträger die finanziellen Mittel dazu fehlen.
Das jährlich ein- bis zweimal erscheinende op-info gibt Nachrichten und Neuigkeiten aus dem Schulleben an Schüler, Eltern und Lehrer weiter.
An der Otto-Pankok-Schule entsteht ein Cafèteria-Betrieb für die großen Pausen.
1997
Mutmaßungen in der Mülheimer Presse über einen Standortwechsel der Schule auf die linke Ruhrseite lösen bei Eltern, Schülerinnen, Schülern und Kollegium klare und deutliche Proteste aus. Die Otto-Pankok-Schule verbleibt am traditionellen Standort an der Von-Bock-Straße.
1999
Den sensationellen Betrag von 55.000 DM „erlaufen“ Schülerinnen und Schüler der Otto-Pankok-Schule in einem “Run for Help“ in den Saarner Ruhrauen für die Erdbebenopfer in der Türkei.
Die Schulpartnerschaft mit dem Leipziger Carl-Goerdeler-Gymnasium erlebt ihren kulturellen Höhepunkt in der Uraufführung der Kantante „Der Leipziger Ring“ im Kammermusiksaal des Gewandhauses. Aufführungen in Oberhausen und in Mülheim folgen.
2000
„Schüler helfen Schülern“ ist das Motto der Streitschlichtung, die an der Schule eingerichtet wird. Eigens dafür geschulte Streitschlichter-Teams aus der Jahrgangsstufe 10 stehen Schülerinnen und Schülern der Eingangsklassen bei der Lösung auftretender Konflikte zur Seite.
2001
Aus der Notwendigkeit heraus, den veränderten Bedürfnissen bei der Wahl der Anfangsfremdsprache zu genügen, bietet die Schule ein neues und vielversprechendes Sprachenkonzept an: Schülerinnen und Schüler, die mit Latein beginnen, erhalten schon in den Klassen 5 und 6 ergänzend und verpflichtend zwei Stunden Englischunterricht. Somit wird einerseits ein eventueller Wechsel von der Latein- in eine Englischklasse erleichtert und andererseits ist die Vorbereitung auf den Beginn des regulären Englischunterrichts in Klasse 7 optimal.
Am 23.8.2001 verstarb im Alter von 78 Jahren OStD i.R. Heinz Götzen.
2002
Im September 2002 feiert die Otto-Pankok-Schule mit einer Festwoche ihr 150-jähriges Bestehen.
(Auszug aus: b.l.i.n.k.l.i.c.h.t.e.r. 2002. Jahrbuch der Otto-Pankok-Schule, S. 22 ff. , verfasst und zusammengestellt von Heribert Gorzawski, Jochen Nierhaus und Joachim Servatius.)
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